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meinen werkkatalog (zur ausstellung, juni 2008) der letzten vier jahre habe ich unterwegs genannt, im bewusstsein, dass ich nicht nur physisch unterwegs war in der zeit, sondern weil mir immer bewusster wird, dass der arbeitsprozess und das leben überhaupt ein unterwegs-sein ist. ich liege da offenbar nicht so falsch. zu meinem sechzigsten geburtstag habe ich ein wunderbares buch bekommen (wenn ich einst alt bin trage ich mohnrot. neue freiheiten. von elisabeth schlumpf. darin habe ich das nachstehende gedicht von hermann hesse gefunden:

stufen

wie jede blüte welkt und jede jugend
dem alter weicht, blüht jede lebensstufe,
blüht jede weisheit auch und jede tugend
zu jeder zeit und darf nicht ewig dauern.
es muss das herz bei jedem lebensufe
bereit zum abschied sein und neubeginnen,
um sich in tapferkeit und ohne trauern
in andere, neue bindungen zu geben.
und jedem anfang wohnt ein zauber inne.
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

wir sollen heiter raum um raum durchschreiten,
an keinem wie an einer heimat hängen,
der weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns stuf’ um stufe heben, weiten.
kaum sind wir heimisch einem lebenskreise
und traulich eingewohnt, so droht erschlaffen.
nur wer bereit zu aufbruch ist und reise.
mag lähmender gewöhnung sich entraffen.

es wird vielleicht die todesstunde
uns neuen räumen jung entgegensenden,
des lebens ruf wird niemal enden…
wohlan denn, herz, nimm abschied und gesunde!

hermann hesse

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